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Rezension

Der Blues - Gesammelte Texte der Bewegung 2. Juni


Der Blues. Gesammelte Texte der Bewegung 2. Juni; 120 DM, 926 Seiten in 2 Bänden. Schwarzer Stern, Hermannstr. 78, 44263 Dortmund (Mail). Wiederverkäufer bitte Konditionen erfragen.

Vor fast 20 Jahren wurde es immer auf den Anzeigenseiten der legendären autonomen Zeitschrift radikal angeboten, jetzt ist es wieder erhältlich: Das Antiquariat Schwarzer Stern Link Dortmund hat das Buch Der Blues. Gesammelte Texte der Bewegung 2. Juni nachgedruckt. Die limitierte Auflage beträgt 500 Exemplare, wodurch sich auch der relativ hohe Preis erklärt. Das Buch ist der ungekürzte Nachdruck des Blues von 1982. In ihm fanden und finden sich (alle?) Texte der sozialrevolutionären Stadtguerilla Bewegung 2. Juni und Texte anderer Herkunft über Auseinandersetzungen (z.B. Knastkämpfe), Aktionen und Debatten, in die der 2. Juni oder einzelne seiner Mitglieder verwickelt waren. Der zeitliche Bogen spannt sich dabei von der Gründung im Juni 1972 (Die Bewegung 2. Juni versteht sich als Anfang einer Organisation verschiedener autonomer Gruppen der Stadtguerilla) über die bekannteren Aktionen, wie etwa die Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Lorenz 1975 bis hin zum Ende des 2. Juni im Jahre 1980. Die Texte liefern ein lebendiges Bild der sozialrevolutionären Bemühungen der ersten Hälfte der 70er Jahre, und die sie tragende Subkultur (HaschrebellInnen etc.) und von der Debatte um verschiedene Fragen des militanten Kampfes (Verhältnis zur RAF und zur legalen Linken etc.). Durch die Dokumentation des Streites innerhalb des 2. Juni vor seiner Auflösung 1980 (Kampf zweier Linien) wird ein Einblick in die Rezeption neuer Politikformen (Stichwort: Bürgerinitiativen/soziale Bewegungen) durch den 2. Juni möglich. Ein Teil des 2. Juni schloss sich der RAF an, während sich gleichzeitig auf den Strassen Berlins die Anfänge des Häuserkampf und seiner Massenmilitanz zeigten. Das ganze ist zentriert auf Westberlin, da der 2. Juni sich ziemlich auf Berlin konzentrierte, ja vielleicht sogar nur dort entstehen und agieren konnte. Leider enthält das Buch überhaupt keine Einleitung, da der Blues vermutlich damals beim ersten Erscheinen keine enthielt, noch haben die heutigen HerausgeberInnen ein Vorwort zur Neuherausgabe geliefert. Das ist bedauerlich, da so eine Einordnung des Erscheinungsjahres oder der Autorenschaft von Texten oft nicht möglich ist. Der Zusammenhang muss also, soweit ihnen das überhaupt möglich ist, von den LeserInnen hergestellt werden. Es wäre die Aufgabe der HerausgeberInnen gewesen, eine Einleitung zur Verfügung zu stellen, die z.B. jüngeren LeserInnen die Einordnung der Texte erleichtert. Peniblen wissenschaftlich-historischen Kriterien genügt der Band nicht, aber das ist das auch nicht sein Ziel. Es ist im Sinne einer Dokumentation der Geschichte und der Debatten der radikalen Linken zu begrüssen, dass diese wichtigen Dokumente nun wieder zugänglich(er) sind.

Bernd Hüttner


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